Verzaubernde Naturbilder

25 Jahre Dirigent Markus Fohr in Braunau-Simbach

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Seit unglaublichen 25 Jahren leitet Markus Fohr die Konzerte der Musikfreunde Braunau-Simbach. Mit souveräner Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Zeit also für ein Festkonzert, das am Sonntag, 2. Juli in der bestens besuchten Stadtpfarrkirche stattfand und vom Publikum bejubelt wurde. Es war nicht leicht zu spielen, was da auf den Pulten lag, aber das Orchester verzauberte mit spürbarer Liebe zur Musik, mit Konzentration und Klangschönheit.

 

Die Akustik im prachtvollen Raum kommt natürlich nicht ohne Halleffekte aus, aber Maestro Fohr ließ den Hall gleichsam mitspielen. Felix Mendelssohn Bartholdys immer wieder gern gehörte „Hebriden-Ouvertüre“ machte den stimmungsvollen Anfang und erfreute mit sattem Streicherklang. Die schottischen Naturbilder zogen wie ein atmosphärisches Aquarellvorüber. Danach gab es zum ersten Mal bei den Musikfreunden ein Werk von Gustav Mahler, die „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Christian Miedl, ein international gefeierter, bis in höchste Lagen treffsicherer Bariton aus Passau, überzeugte mit der richtigen Mischung aus wehmutsvoller Lyrik und dramatischer Expressivität, ließ das Liebessehnen ebenso plastisch hörbar werden wie das „glühende Messer“ in seiner Brust und die feine Resignation am Ende. Dieser fahrende Geselle findet ja Trost unter einem blühenden Lindenbaum. Das Orchester erreichte ein großes Maß an sensibel gezeichneter Transparenz mit schönen Bläsersoli und wurde dem Farbenreichtum der Partitur durchaus gerecht.

 

Nach der Pause erklang die 2. Symphonie von Johannes Brahms, in welcher sich ebenfalls die Natur im menschlichen Sehnen und Streben spiegelt. Der doppelte Boden der Wörthersee-Idylle in den beiden ersten Sätzen war ebenso erlebbar wie die Kontrastwirkungen des vierten Satzes und der jugendlich anmutende Schwung des Finales. Der Applaus wurde belohnt, mit was sonst als dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Brahms. Das Orchester, eine gute Mischung der Generationen, müsste man erfinden, wenn es nicht schon da wäre. Es ist bewundernswert, was das Organisationsteam mit Susanne und Volker Nemmer an der Spitze da immer wieder zustande bringt. Urgestein Siegfried Dietrich saß erstmals seit Jahrzehnten nicht bei den ersten Geigen, sondern in der ersten Reihe des Publikums und war dennoch dabei. Ad multos annos, muss man allen wünschen. 

 

                                                                                                                     Paul Kornbeck

Diese Kritik stammt aus den OÖN vom 13. Juli 2017