Matinée in der Schlossscheune
Im ersten Teil spielte im Rahmen des „inn4tler sommers“ am Vormittag des 30. Juni das Orchester „Musikfreunde Braunau-Simbach“ mit seiner emsigen Obfrau Susanne Nemmer und unter dem bewährten Dirigat von Prof. Markus Fohr die weltweit bekannte „Berchtoldsgaden-Musik“. Nach über 200 Jahren Anonymität bzw. Vermutungen, wer sie komponiert hat, wurde durch einen Fund das als „Kindersinfonie“ bekannte dreisätzige Kammermusikwerk vor etwa 30 Jahren dem aus dem Pongau stammenden Benediktinerpater Edmund Angerer zugeschrieben. Vor der Bühne der Musikfreunde nahmen Kinder unter der begleitenden Leitung von Isabella Andronikidis mit Spielzeuginstrumenten Platz. Die Jüngsten lauschten gespannt, auch wenn ihre Konzentration nicht immer mit den Eltern mithalten konnte. In Angerers Komposition sind „Kuckuck“, „Wachtelruf“, „Windpfeifchen (Vogelgezwitscher)“, „Trompetchen“, „Trommel“, „Rätschchen“ und „Örgelchen (Wasserpfeife)“ notiert. Besonders erwähnenswert ist, dass krankheitsbedingt erst kurz vor dem Aufführungstag einige der Kinder-Solisten eingesprungen sind. Aber alle glänzten und sorgten für einen fröhlichen Auftakt. Vom langen Applaus v.a. fü die Kinder beflügelt, wurde der letzte Satz als Zugabe in einem noch flotteren Tempo wiederholt.
Mit dem Musikmärchen „Peter und der Wolf“ nach der Pause war das vielen Kindern schon aus dem Kindergarten bekannte Stück der eigentliche Grund, nach Ranshofen in die dafür sehr gut geeignete Schlossscheune zu kommen. Das Besondere an diesem „musikalischen Märchen“ ist, dass jede der im Märchen mitspielenden Figuren durch ein passendes Orchester-Instrument und ein unverwechselbares musikalisches Motiv charakterisiert wird: der kleine Vogel durch die Flöte, die geschmeidige Katze durch die Klarinette, die einfältige Ente durch die Oboe, der brummige, gutmütige Großvater durch das Fagott, der gefährliche Wolf durch drei Waldhörner – wo eine sehr junge Hornistin mitspielte, die Gewehrschüsse der Jäger durch Pauken und große Trommel und der mutige Peter durch die Streicher. Und ehe das leicht verständliche Werk von Sergej Prokofjew mit der Geschichte vom aufgeweckten, kleinen Buben, dem besorgten Großvater und dem bösen Wolf zur Aufführung kam, stellte Dirigent Markus Fohr in Einbindung der Jüngsten im Publikum, diese Instrumente vor, und immer tiefer wurde das Publikum in die magische Märchenwelt gezogen. Die Kinder, Eltern und Großeltern lernten so die verschiedenen Instrumentenfamilien kennen: Streichinstrumente, Schlagwerk sowie Holz- und Blechbläser. Die Instrumente untermalten den von der Erzählerin Eva Maria Schinwald veranschaulicht vorgetragenen Text, der durch die spannende Geschichte von Peter und dem Wolf führte. Frau Schinwald beeindruckte durch klare Aussprache sowie ausdrucksstarke Mimik und lebendige Gestik. Im aufgelegten informativen Begleitprogramm wurde auf die Aussage des Werkes hingewiesen: Gutes kann Böses besiegen.
Die von der Stadtgemeinde Braunau finanziell unterstützte Matinée fand großen Anklang und die Ausführenden wurden mit reichlichem Applaus und zufriedenen Gesichtern belohnt.
von Karl Glaser