Jubiläumskonzert am 20. September 2015

 

Zeitungskritik von Paul Kornbeck

Ein glanzvolles Jubiläum

60 Jahre Musikfreunde Braunau-Simbach

Das Orchester der Musikfreunde Braunau-Simbach feierte am 20. September sein 60jähriges Bestehen mit einem denkwürdigen Konzert in der Stadtpfarrkirche Braunau. Obfrau Susanne Nemmer konnte die Vertreter der Kirche, des Landes Oberösterreich und der beiden Gemeinden willkommen heißen. Von beiden Seiten des Inns kommen die Musikerinnen und Musiker, Amateure mit heißem Herzen für die Kunst. Darunter ist sogar noch einer aus der Gründungszeit, Ehrenmitglied Siegfried Dietrich, der inmitten der ersten Geigen seines liebevollen Amtes waltet wie seit sagenhaften sechzig Jahren.
 
Als Stargast interpretierte einer der weltbesten Geiger, der Salzburger Benjamin Schmid, das 1. Violinkonzert von Nicolo Paganini. Er interpretierte es nicht, er lebte es, in allen Facetten zwischen brillanter und müheloser Virtuosität und schwelgerischer Kantilene. Es ereignete sich große Oper am Konzertpodium, farbenreich funkelnd und voller Leidenschaft, dabei stets in unnachahmlicher Eleganz. Die gar nicht einfache Begleitung durch das aufmerksame Orchester und den mit dem Solisten perfekt mitatmenden Dirigenten Markus Fohr gab dem feinnervigen Spiel Schmids den würdigen Rahmen. Als Zugabe gab es Bach, eine wundersame, gleichsam spirituell schwebende Brücke zum zweiten Teil des Konzerts.
 
Anton Bruckners 4. Symphonie stellt jedes Orchester vor schwere Aufgaben, zumal eines, das zum Großteil aus Menschen besteht, die nicht ihrem Broterwerb nachgehen, sondern einfach ihrer Liebe zur Kunst. Das spürt man denn auch in jedem Takt und die ohnehin mitunter kühle Perfektion wird zur Nebensache. Wobei es höchste Bewunderung verdient, was Probentrainer Mario El Fakih Hernandez und Maestro Fohr gemeinsam mit dem Orchester an Präzision erreicht haben. Markus Fohr wählte genau die richtigen, ausgewogenen Tempi und so konnte sich Bruckners Klangarchitektur prachtvoll entfalten. Bruckners „Romantische“ berührte in ihrer immer noch kühnen Harmonik, ihren wahrlich himmlischen Längen und zwischendurch auch in ihrer Ländlerseligkeit. Noch dazu erreichte dieser Lobpreis der Schöpfung, der dennoch die Abgründe des Menschlichen nicht verschweigt, im gotischen Raum von Braunaus „Kathedrale“ mit seinen barocken Kunstwerken und seiner mystischen Akustik geistliche und philosophische Dimensionen. Etwas wie die „Harmonie der Welt“ wurde in den konzis gemeißelten, klingenden Monumenten des Werks spürbar. Silberne Streicherfarben und das schmetternde Blech ergaben Momente geistlicher Kraft. Großer Jubel vor und nach der Pause in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche.